Herr Boenisch, wie kamen Sie eigentlich zu Regenbogen Wohnen?
Christian Boenisch: Vor vier Jahren hatte ich gerade meinen Posten als Bezirksgeschäftsführer für München und Oberbayern beim Arbeiter-Samariter-Bund niedergelegt. Bei Regenbogen Wohnen war die Geschäftsführerin ausgeschieden, und ich wurde gefragt: „Können Sie nicht einspringen?“ Und so bin ich zu Regenbogen gekommen.
Die Entscheidung für diesen Träger war schnell getroffen. Ich habe zuvor große Verbände mit zweieinhalb- bis dreitausend Mitarbeitenden geleitet – etwas Vergleichbares wollte ich nicht mehr. Die Verabredung war außerdem von Anfang an klar: nur für drei bis fünf Jahre. Und so ist es jetzt auch gekommen. Im Februar 2022 habe ich angefangen, nun sind es knapp vier Jahre. Das war beiden Seiten von Beginn an bewusst.
Gibt es Momente oder Errungenschaften aus diesen vier Jahren, auf die Sie besonders zurückblicken? Hat sich etwas besonders eingeprägt?
Als Errungenschaft würde ich bezeichnen, dass wir das institutionelle Wissen extrem verbreitert und gefestigt haben. Heute haben wir in der gesamten Personalarbeit – von Tarifverträgen bis hin zum Individualarbeitsrecht – eine große Sicherheit. Außerdem haben wir den ersten großen Schritt in Richtung Digitalisierung gemacht.
Und – mindestens ebenso wichtig – wir sind inzwischen völlig unabhängig von externen Dienstleistern, was Finanzierung und Entgeltverhandlungen betrifft. Die Institution ist heute in der Lage, das selbst zu leisten. Das sind Errungenschaften, die das Leben und den Alltag dieser GmbH nachhaltig verändern werden.
Was waren große Herausforderungen in Ihrer Zeit als Geschäftsführer?
Da gibt es verschiedene Bereiche in der Geschäftsführung. Ich beginne mit dem kaufmännischen Management: Der größte Schock war im Sommer 2022, als mir klar wurde, dass wir nicht ausreichend liquide waren, um alle laufenden Verpflichtungen zu erfüllen. Sparsamkeit kannte ich aus anderen Situationen, aber zahlungsunfähig zu sein – das war neu für mich. Wir haben das gemeinsam gelöst, und inzwischen ist es strukturell bereinigt. Das ist heute kein Thema mehr.
Eine zweite große Herausforderung war der Kauf und die Inbetriebnahme der Immobilie in Ruhpolding. Dafür waren wir personell und konzeptionell eigentlich noch nicht so weit. Inzwischen haben wir einige Schritte gemacht und sehen echte Chancen, dort grundlegend etwas zu verändern. Wir sind gerade mitten in diesem Prozess.
Und schließlich gab es im Herbst 2025 noch ein sehr einschneidendes Ereignis: In einem Wohnhaus, in dem zehn Menschen mit psychischen Erkrankungen und/oder Behinderungen leben, kam es nachts zu einem Brand. Was für ein Schreck. Die Erleichterung war unbeschreiblich, als die Nachricht kam: „Es ist niemand ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden.“
Der Umgang mit dieser Katastrophe hat mir eindrucksvoll gezeigt, wie bei Regenbogen Wohnen Hand in Hand gearbeitet wird. Unsere sehr engagierten Mitarbeitenden haben schnell Unterkünfte organisiert und alles Notwendige geregelt. Inzwischen sind wir mitten in der Renovierung und haben sogar die Chance, Anpassungen vorzunehmen, die das Leben und Arbeiten dort künftig erleichtern werden.
Gibt es ein Projekt oder eine angestoßene Veränderung, die Ihnen besonders am Herzen liegt und auf die Sie besonders gern zurückblicken?
Ja, ein Projekt liegt mir besonders am Herzen: NUEVA – „Nutzerinnen und Nutzer evaluieren“. Dieses Projekt kenne ich seit vielen Jahren. Wenn es irgendwie möglich ist, sollte es fortgeführt werden. Ich sehe deutlich, dass Peer-to-Peer-Befragungen andere, oft ehrlichere Ergebnisse liefern.
Es ist ein kleines Projekt, aber ich glaube, dass es langfristig viel bewirken kann, weil es direkt in die Herzkammer der Qualitätsfragen zielt. Solche Projekte machen mir Freude, weil sie uns dazu bringen, uns selbst ehrlich zu hinterfragen und authentisches Feedback zu erhalten.
Und dann komme ich noch einmal auf die Immobilie in Ruhpolding zurück. Es gibt nur wenige Träger unserer Größenordnung, die eine solche Chance haben, wirklich etwas zu verändern – im Sinne von Inklusion, Quartiersarbeit und Milieutherapie. Aktuell ist es ein ehemaliges Altenheim und ein ehemaliges Schwesternheim, und das sieht man auch. In meiner Vorstellung wird es künftig ein lebendiger Ort sein, an dem Menschen ein- und ausgehen und Inklusion ganz selbstverständlich gelebt wird. Dieser Prozess hat gerade erst begonnen.
Gibt es etwas, das Sie Florian Dockhorn ganz bewusst mit auf den Weg geben möchten?
Ich möchte ihm mitgeben, künftig noch genauer darauf zu schauen, wie wir neue Kolleginnen und Kollegen auswählen. Das entscheidet maßgeblich über Qualität – und letztlich darüber, ob wir den Menschen, für die wir Verantwortung tragen, ein gutes Zuhause ermöglichen. Wir haben kein Recht, an der Qualität dieses Zuhauses Abstriche zu machen.
Außerdem würde ich mir wünschen, weiterhin ein wenig mitzudenken, Ideen einzubringen oder auch Mut zu machen – insbesondere dabei, aus diesem großen Immobilienkomplex in Ruhpolding etwas Lebendiges entstehen zu lassen. Ich wechsle nun vom Hauptamt ins Ehrenamt bei Regenbogen Wohnen. Wenn das für die Kolleginnen und Kollegen passt, würde ich mich freuen, weiterhin einen Beitrag leisten zu können.
Und was haben Sie nun persönlich vor – gibt es Pläne?
Der wichtigste Punkt ist meine Gesundheit. Ich muss wieder mehr rausgehen und mehr Sport treiben, damit mein Leben auch wirklich lebenswert bleibt.
Ich habe weiterhin ein sehr verantwortungsvolles Ehrenamt beim Paritätischen auf Landesebene im Aufsichtsrat sowie das Ehrenamt als Richter am Landgericht München. Diese Aufgaben möchte ich zu Ende führen.
Darüber hinaus gibt es einige Reisepläne. Mein Sohn lebt mit seiner Familie in Schweden – dort würde ich gern einmal länger bleiben als nur für einen kurzen Urlaub.
Und durch die Einladungen zu unserem Übergabetermin habe ich viele schöne Rückmeldungen bekommen. Menschen sagten: „Ich kann nicht kommen, aber lass uns danach etwas gemeinsam machen.“ Ob eine Bergtour oder ein Besuch in Berlin – ich möchte Menschen besuchen, die ich zum Teil lange nicht gesehen habe.
Vor allem aber möchte ich Zeit haben: Zeit für lange Gespräche, für ausgedehnte Spaziergänge und für Begegnungen ohne Termindruck.
Das wünschen wir Ihnen von Herzen.
Von Stabilisierung zu Zukunftsplänen: Christian Boenisch und Florian Dockhorn im Interview
Anlässlich der Übergabe der Geschäftsführung zum 1. Januar 2026 haben wir mit dem scheidenden und dem neuen Geschäftsführer der Regenbogen Wohnen gGmbH gesprochen: Über Errungenschaften, Ziele und einen Blick in die Zukunft.
Ich möchte, dass soziale Arbeit fachlich einfach gut ist.
Gut aufgestellt ist [Regenbogen] in der überregionalen Arbeit. Was mehr werden darf, ist eine Vernetzung nach innen und eine Vernetzung nach außen, um zu zeigen: „Soziale Arbeit ist wichtig“.
Ich möchte, dass Inklusion nicht nur ein Schlagwort ist, sondern mit Ideen, mit Konzepten, mit Räumen gefüllt ist. Soziale Arbeit ist auch eine Menschenrechtsprofession.
