Der neue Regenbogen Wohnen-Geschäftsführer Florian Dockhorn über Fachlichkeit, Inklusion und Vernetzung

Florian Dockhorn spricht über Motivation, erste Eindrücke, Inklusion als Menschenrechtsauftrag, finanzielle Stabilität – und was ihm in der Zusammenarbeit wichtig ist.

Was hat Sie motiviert, den Schritt zu gehen und die Geschäftsführung bei Regenbogen Wohnen zu übernehmen?

Florian Dockhorn: Ich habe als Sozialarbeiter begonnen, im Eins-zu-eins-Kontakt mit Menschen. Dabei habe ich für mich gemerkt, dass ich wirksam bin – dass ich vor Ort etwas erreichen und dazu beitragen kann, dass sich Dinge verändern.

Ich bin mir sicher, dass man in einer Geschäftsführungsposition noch einmal andere Hebel und Steuerungsmöglichkeiten hat. Bei Regenbogen Wohnen kann ich für rund 450 Menschen einen Beitrag leisten. Dabei hat das Thema Fachlichkeit für mich einen klaren Fokus. Ich möchte, dass es nicht einfach „irgendwie soziale Arbeit“ ist. Denn dahinter steckt sehr viel mehr.

Wenn sich Menschen bei uns in eine Fürsorge begeben, dann finde ich es wichtig, dass wir eine Leistung erbringen, die fachlich wirklich gut ist. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten.

Regenbogen Wohnen interessiert mich ganz besonders, weil ich sehr gerne mit Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen arbeite. Ich habe eine Vorstellung davon, wie diese Arbeit gelingen kann, und fühle mich in diesem Bereich der sozialen Arbeit sehr wohl.

Sie haben nun schon einige Wochen Einblicke erhalten. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?

Ich glaube, eine große Stärke von Regenbogen Wohnen liegt in der überregionalen Arbeit. Wir sind nicht nur ein Träger in München mit drei oder vier Wohngruppen, sondern ein oberbayernweit tätiger Träger – mit all den Herausforderungen, aber auch mit all den Vorteilen, die das mit sich bringt.

Was aus meiner Sicht wieder stärker werden darf, ist die Vernetzung nach innen: dass wir innerhalb des Unternehmens wieder mehr ein gemeinsames „Wir“ entwickeln. Und auch die Vernetzung nach außen – sichtbar zu machen: Soziale Arbeit ist wichtig, diese Arbeit hat Bedeutung.

Gerade wenn man sich politisch anschaut, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft aktuell bewegt, halte ich es für wichtig, bewusst zu sagen: Nein, diese Arbeit hat ihre Berechtigung. Und sie darf mehr werden.

Ein weiteres zentrales Thema ist für mich die Frage: Wie kann gute fachliche Arbeit trotz aller Herausforderungen in der direkten Arbeit gelingen? Dafür braucht es gutes Handwerkszeug. Ich bin überzeugt, dass man hier – egal ob als Träger oder als einzelne Fachkraft – immer weiter dazulernen und besser werden kann. Das wünsche ich mir sehr für alle, die bei Regenbogen Wohnen tätig sind.

Gibt es weitere Aspekte oder eine größere Vision, die Sie antreibt?

Ich wünsche mir, dass Inklusion nicht nur ein Schlagwort bleibt, sondern mit Leben gefüllt wird. Dass wir uns konkret fragen: Wie kann Inklusion in unseren Häusern stattfinden – auch in großen Einrichtungen wie in Unterschleißheim?

Ich möchte hier gemeinsam mit den Menschen vor Ort in einen Prozess gehen, Ideen sammeln und überlegen, wie wir diese Orte zu Orten gelebter Inklusion machen können. Dieses Schlagwort wirklich zu füllen – mit Ideen, Konzepten, Räumen und Möglichkeiten. Das ist meine Vision.

Dazu gehört für mich auch, sich solidarisch und mit breiter Brust hinzustellen und zu sagen: „Nein, halt – wir gehen diesen Weg weiter.“ Soziale Arbeit ist eine Menschenrechtsprofession. Und für dieses Menschenrecht einzustehen, ist mir ein großes Anliegen.

Gibt es dafür bereits konkrete Ideen?

In Ruhpolding hat dieser Prozess bereits begonnen. Dort gibt es inzwischen ein Kinderkino auf dem Gelände, eine Jugendgruppe und die DLRG ist ebenfalls vor Ort aktiv. Das sind erste Schritte, die dazu führen, dass Menschen vorbeikommen und es nicht mehr heißt „die da oben“.

Stattdessen entsteht das Bild einer Gesellschaft, in der jede Person mit ihrer Individualität ihren Platz hat. Das ist mein Wunsch – und natürlich ein längerer Prozess.

Gedanklich sehe ich hier zunächst keine Grenzen. Mir ist wichtig, über den Tellerrand zu schauen und nicht nur in unseren eigenen Strukturen zu suchen, sondern zu überlegen: Wie können wir uns besser vernetzen?

Vielleicht kann man beispielsweise eine Hochschule einbinden und daraus eine Masterarbeit entwickeln, die sich mit der Frage beschäftigt: Wie kann Inklusion in einem bayerischen Dorf ganz im Süden Deutschlands im Kleinen gelingen?

Wie starten Sie nun in die kommenden Wochen?

Zunächst möchte ich alle Einrichtungen kennenlernen und ein Gefühl dafür bekommen, wie vielfältig Regenbogen Wohnen aufgestellt ist.

Mittelfristig stehen strategische Überlegungen an, insbesondere zur Frage, wie wir das Thema Inklusion weiter voranbringen können. Dafür gilt es – wie bereits in Ruhpolding – konzeptionell genau hinzuschauen. Auch bei der Neueröffnung der Einrichtung in Garching nach dem Brand stellt sich die Frage: Was soll bleiben? Was hat in der Vergangenheit gut funktioniert? Und was darf künftig besser laufen?

Diese Überlegungen möchte ich gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort entwickeln.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Im kommenden Jahr feiern wir 40 Jahre Regenbogen Wohnen. Das ist ein wunderbarer Anlass, um Vernetzung weiter auszubauen.

Ergänzend möchte ich erwähnen, dass wir mit der Regenbogen Arbeit ein Schwesterunternehmen haben, das sich der Inklusion im Arbeitsleben widmet. Ich halte das für einen sehr wichtigen Baustein, damit Menschen neben Wohnen und Betreuung auch einen Arbeitsort haben, an den sie gerne gehen. Auch hier sehe ich noch großes Potenzial für stärkere Vernetzung.

Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit besonders wichtig?

Besonders wichtig ist mir Verlässlichkeit. Das erwarten unsere Klientinnen und Klienten von uns – und das erwarte ich ebenso von den Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Darauf aufbauend ist Vertrauen für mich ein zentraler Wert.

Ich plädiere außerdem für eine konstruktive und wertschätzende Streitkultur. Um gemeinsam voranzukommen, braucht es die Möglichkeit, unterschiedliche Standpunkte offen zu diskutieren. Voraussetzung dafür sind Vertrauen und Verlässlichkeit – also die Gewissheit, dass das Gegenüber nicht abspringt, nur weil man im Diskurs unterschiedlicher Meinung ist, sondern dass man weiterhin an derselben Sache arbeitet.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und einen guten Start!

Von Stabilisierung zu Zukunftsplänen: Christian Boenisch und Florian Dockhorn im Interview

Anlässlich der Übergabe der Geschäftsführung zum 1. Januar 2026 haben wir mit dem scheidenden und dem neuen Geschäftsführer der Regenbogen Wohnen gGmbH gesprochen: Über Errungenschaften, Ziele und einen Blick in die Zukunft.

Wir haben das institutionelle Wissen extrem verbreitet und gefestigt […], den ersten großen Sprung in den Bereich IT-Digitalisierung geschafft […]. Wir sind völlig unabhängig von externen Dienstleistern, was die Finanzierung und Entgeltverhandlungen betrifft.

Rupolding […] So wie es in meinem Kopf […] ist, ist es ein lebendiger Ort, wo Menschen ein- und ausgehen und wo Inklusion alltäglich stattfindet.

Christian Boenisch

ehem. Geschäftsführer