Gerade in solchen Momenten brauchen Fachkräfte mehr als Fachwissen. Sie brauchen Sicherheit im eigenen Handeln, Vertrauen in ihre Fähigkeiten und Werkzeuge, die ihnen helfen, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben.
Genau deshalb investiert Regenbogen Wohnen seit mehreren Jahren in die Schulung seiner Mitarbeitenden im Bereich NeuroDeeskalation.
Nicht, weil es sich um einen neuen pädagogischen Trend handelt. Sondern weil die Erfahrung zeigt, dass sie den Alltag für Fachkräfte und Bewohnerinnen und Bewohner gleichermaßen verbessern kann.
Was ist NeuroDeeskalation?
Die NeuroDeeskalation wurde vom österreichischen Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Christoph Götel entwickelt. Sie verbindet Erkenntnisse aus Neurobiologie, Traumatherapie, Bindungsforschung und Körpertherapie zu einem Ansatz, der Krisen anders betrachtet als viele klassische Deeskalationskonzepte.
Im Mittelpunkt steht eine einfache, aber weitreichende Erkenntnis: Menschen in Krisen brauchen zunächst Sicherheit, bevor sie wieder Zugang zu Gesprächen, Entscheidungen oder Lösungen finden können.
Während viele Deeskalationskonzepte den Schwerpunkt auf Gefahrenreduktion und Handlungssicherheit legen, richtet die NeuroDeeskalation den Blick zusätzlich auf die neurobiologischen Bedürfnisse von Menschen in Krisen.
Die Deeskalation beginnt bei mir
Ein zentraler Grundsatz der NeuroDeeskalation lautet: Es beginnt immer bei mir.
Damit ist nicht gemeint, dass Fachkräfte für das Verhalten anderer Menschen verantwortlich sind. Gemeint ist vielmehr, dass die eigene Regulation entscheidend dafür ist, wie eine Situation verläuft.
Kann ich ruhig bleiben? Kann ich Orientierung geben? Kann ich Sicherheit ausstrahlen, auch wenn mein Gegenüber sie gerade verloren hat?
Diese Perspektive verändert den Blick auf Krisen grundlegend. Statt ausschließlich darauf zu schauen, was der andere Mensch tut, richtet sich der Fokus zunächst auf die eigene Haltung und die eigene Handlungsfähigkeit.
Für viele Mitarbeitende ist genau das eine große Entlastung.
Warum diese Schulung den Arbeitsalltag verändert
Wer schon einmal eine hoch eskalative Situation begleitet hat, weiß, wie viel Energie sie kosten kann.
Wenn Menschen schreien, Gegenstände werfen, sich selbst verletzen oder völlig aus dem Kontakt gehen, entsteht schnell das Gefühl, etwas verhindern, kontrollieren oder lösen zu müssen. Viele Fachkräfte kennen deshalb Momente von Unsicherheit oder Ohnmacht.
Die NeuroDeeskalation bietet einen anderen Weg. Statt gegen die Situation anzukämpfen, lernen Mitarbeitende, sie besser zu verstehen. Statt auf Kontrolle zu setzen, lernen sie, Orientierung zu geben. Und statt sich ausschließlich auf das Verhalten des Gegenübers zu konzentrieren, lernen sie, zunächst bei sich selbst anzusetzen.
Die Auswirkungen sind bei Regenbogen Wohnen spürbar: Unsere Mitarbeitenden berichten, dass Krisensituationen heute häufig weniger Kraft kosten als früher. Sie erleben mehr Handlungssicherheit und weniger Ohnmacht. Vor allem aber wissen sie: Auch wenn eine Situation schwierig wird, bleiben sie handlungsfähig.
Für einen Beruf, in dem jeden Tag Menschen begleitet werden, ist das von unschätzbarem Wert.
Der Feuerwehrmann im brennenden Haus
In unseren Schulungen wird häufig ein Bild verwendet, das die Idee der NeuroDeeskalation besonders verständlich macht:
Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einem brennenden Haus. Der Rauch nimmt Ihnen die Sicht, Ihr Körper steht unter Stress und klare Entscheidungen fallen schwer. In diesem Moment brauchen Sie niemanden, der Ihnen fünf verschiedene Möglichkeiten erklärt. Sie brauchen jemanden, der Ruhe ausstrahlt und sagt: „Kommen Sie mit. Wir nehmen die Drehleiter.“
Genau diese Orientierungsperson können Fachkräfte in Krisensituationen sein: Nicht jemand, der diskutiert oder überzeugt. Sondern jemand, der Sicherheit vermittelt, Orientierung gibt und den Weg weist, bis das Gegenüber wieder selbst handlungsfähig ist.
Was verändert sich für die Menschen, die bei uns leben?
Die Veränderungen zeigen sich nicht nur bei den Mitarbeitenden. Nach Angaben der Teams und internen Auswertungen sind Übergriffe deutlich seltener geworden. Situationen, in denen Menschen festgehalten werden müssen, kommen deutlich weniger vor als früher. Gleichzeitig berichten Mitarbeitende von einer ruhigeren Atmosphäre und einem veränderten Miteinander in den Wohngruppen.
Besonders bedeutsam ist dabei eine Erfahrung, die viele Bewohnerinnen und Bewohner zum ersten Mal machen: Eine Krise führt nicht automatisch zu Strafe, Ablehnung oder Ausgrenzung. Stattdessen erleben sie Menschen, die bleiben, Sicherheit vermitteln und gemeinsam nach einem Weg suchen. Für viele ist genau das eine neue Erfahrung, die Vertrauen schafft.
Sicherheit für Bewohnerinnen und Bewohner beginnt bei Sicherheit für Mitarbeitende
Die sozialen Berufe stehen unter großem Druck. Fachkräfte werden dringend gesucht, die Anforderungen steigen und viele Mitarbeitende arbeiten täglich in emotional anspruchsvollen Situationen. Umso wichtiger ist die Frage, wie Arbeitgeber ihre Teams unterstützen.
Bei Regenbogen Wohnen gehört dazu auch die NeuroDeeskalation. Die Schulungen vermitteln nicht nur Wissen über Krisen und Eskalationen. Sie helfen Mitarbeitenden dabei, ihre eigene Handlungsfähigkeit zu stärken, Belastungen besser einzuordnen und schwierigen Situationen mit mehr Sicherheit zu begegnen.
Viele erleben dadurch eine spürbare Entlastung im Arbeitsalltag. Sie wissen, dass sie schwierigen Situationen nicht hilflos ausgeliefert sind und dass sie Teil eines Teams sind, das eine gemeinsame Sprache und eine gemeinsame Haltung entwickelt hat.
Eine Haltung, die bleibt
Für uns ist klar: NeuroDeeskalation ist keine Technik, die man einmal lernt und anschließend abhakt. Sie ist eine Haltung. Eine Haltung, die Beziehungen verändert. Die Sicherheit schafft. Und die Menschen dabei unterstützt, auch in schwierigen Situationen in Verbindung zu bleiben. Deshalb wird sie bei Regenbogen Wohnen Schritt für Schritt im gesamten Unternehmen verankert.
Nicht weil Krisen vermieden werden können, sondern weil niemand ihnen allein begegnen muss. Genau das macht am Ende den Unterschied.
Für die Menschen, die bei uns leben, und für die Menschen, die jeden Tag für sie da sind.
NeuroDeeskalation in der Regenbogen Wohnen Akademie
Sabrina Kreitmaier und Carolin Obinger führen Kolleg*innen im Rahmen einer Schulung in die Methode der NeuroDeeskalation ein.
Mitarbeitende von Regenbogen Wohnen und externe Teilnehmende aus sozialen Einrichtungen können am Akademieangebot teilnehmen. Während einige Seminare verpflichtend sind, stehen andere zur freien Verfügung. Alle relevanten Informationen zur Anmeldung sind auf der Webseite einsehbar.

Ihre Ansprechpartnerin: Sabrina Kreitmaier
kjh.leitung@rebo-wohnen.de
Haltung statt Hierrarchie: NeuroDeeskalation im Alltag
Sabrina Kreitmaier stand uns auch zu einem Interview über NeuroDeeskalation und die Anwendung im Alltag zur Verfügung.
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