Was macht eigentlich die Geschäftsführung?

Was bedeutet es, ein soziales Unternehmen zu leiten – zwischen wirtschaftlicher Verantwortung, fachlichem Anspruch und einem gesellschaftlichen Auftrag, der zunehmend unter Druck gerät? Wir haben unseren Geschäftsführer Florian Dockhorn dazu ein paar direkte Fragen gestellt – aus der Perspektive von jemandem, der die Rolle von außen betrachtet und wissen will, was wirklich dahintersteckt.

Zwischen Zahlen, Haltung und Zukunftsfragen:
Florian Dockhorn im Interview

Ganz direkt gefragt: Was macht eine Geschäftsführung bei Regenbogen Wohnen – in einem Satz?

Für mich ist das eine hochspannende und zugleich herausfordernde Position zwischen fachlichen, strategischen und betriebswirtschaftlichen Themenfeldern. Man bewegt sich ständig zwischen diesen drei Ebenen – und genau dieses Zusammenspiel macht die Rolle so reizvoll.

Wie sieht denn so ein typischer Arbeitstag aus? Oder gibt es den gar nicht?

Ehrlich gesagt: Den einen typischen Tag gibt es bei mir kaum. Montage sind meist mit Jourfixen gefüllt – da besprechen die Abteilungsleitungen, die Stabsstellen und ich aktuelle Themen und Entwicklungen. Einmal im Monat tagt zudem unsere Leitungsrunde, dazu kommt ein Fachgremium. Daneben stehe ich im regelmäßigen Austausch mit Kooperationspartnern – etwa dem Bezirk Oberbayern oder Kolleg:innen aus der sozialen Arbeit. Zwischendurch schreibe ich an einem Konzept und denke über neue Handlungsfelder nach. Und immer wieder bin ich auch bei akuten Themen vor Ort gefragt, um gemeinsam mit den Kolleg:innen tragfähige Lösungen zu finden. Der eine typische Tag existiert nicht – dafür ist die Bandbreite einfach zu groß.

Wofür trägt die Geschäftsführung eigentlich Verantwortung – und wofür ausdrücklich nicht?

Die Geschäftsführung trägt zunächst die Verantwortung für das gesamte Unternehmen: Stimmen die Zahlen, stimmt die fachliche Arbeit, stimmt das Personalgerüst in den Einrichtungen? Hinzu kommt die rechtliche Verantwortung für die Jahresabschlüsse sowie für den Fortbestand und die strategische Entwicklung des Unternehmens.

Keine direkte Verantwortung trage ich hingegen für die Klient:innenarbeit oder die Bezugsbetreuung selbst – diese liegt bewusst bei den Menschen, die sie am besten kennen: bei den Team- und Einrichtungsleitungen ebenso wie bei den Fachkräften vor Ort, die die eigentliche fachliche Leitung im direkten Kontakt übernehmen. Eine mittelbare Verantwortung dafür bleibt aus meiner Sicht dennoch immer bestehen.

Aufsichtsrat, Leitungsteam, Kostenträger, Klient:innen – wie navigieren Sie durch all diese unterschiedlichen Beziehungen?

Unsere internen und externen Stakeholder bringen ganz unterschiedliche Bedarfe und Bedürfnisse mit. Diese offen anzusprechen und im Kontakt zu bleiben, ist für mich die wichtigste Voraussetzung dafür, dass sich alle gesehen und gehört fühlen. Das gleicht hin und wieder einem echten Balanceakt – und es liegt leider in der Natur der Rolle, dass nicht immer alle Anliegen gleichermaßen bedient werden können.

Offen darüber zu sprechen hilft, Frustration und falschen Erwartungen vorzubeugen.

Was hat Sie überrascht, als Sie die Geschäftsführung übernommen haben?

Was mich überrascht hat, ist, wie sehr sich die eigene Rolle im Miteinander verändert.

Als Geschäftsführer nimmt man Gespräche und Entscheidungen noch einmal aus einer anderen Perspektive wahr und merkt, dass die eigene Position automatisch einen gewissen Einfluss auf das Gegenüber hat.

Das ist etwas, dessen man sich bewusst sein sollte. Gleichzeitig habe ich es als spannende Erfahrung erlebt, Beziehungen und Zusammenarbeit aus dieser neuen Perspektive kennenzulernen.

Was ist für Sie das Schwierigste an dieser Rolle?

Am anspruchsvollsten ist es, Entscheidungen zu treffen, bei denen unterschiedliche Interessen zusammenkommen.
Als Geschäftsführer muss man dabei immer die wirtschaftliche Situation, die fachlichen Anforderungen und die Auswirkungen auf die Mitarbeitenden und Klient.innen im Blick behalten.

Nicht jede Entscheidung ist einfach, aber gerade diese Verantwortung gehört für mich zu dieser Rolle dazu. Genau deshalb ist es mir wichtig, Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen, sie transparent zu kommunizieren und das Team so früh wie möglich einzubinden.

Was ist an Führung bei Regenbogen Wohnen anders als bei anderen Organisationen?

Ich möchte das gar nicht als Alleinstellungsmerkmal verkaufen – dafür kenne ich zu wenige andere Organisationen von innen. Was ich aber sagen kann:

Mir ist wichtig, dass Führung bei Regenbogen Wohnen auf einem echten Miteinander basiert. Mitarbeitende sollen ihre Stärken einbringen, Verantwortung übernehmen und wissen, dass unterschiedliche Perspektiven ausdrücklich erwünscht sind.

Vor allem wünsche ich mir Führung auf Augenhöhe – nicht als Lippenbekenntnis, sondern als gelebte Praxis.

Wo liegt Ihr echter Gestaltungsspielraum – was können Sie wirklich bewegen?

Der Handlungsspielraum ist grundsätzlich groß: neue Einrichtungen aufbauen, neue Strukturen schaffen, eine neue Kultur vorleben – all das ist möglich und macht mir große Freude. Gleichzeitig befinden wir uns in einem gesellschaftlichen Wandel.

Soziale Arbeit und Eingliederungshilfe verlieren zunehmend an gesellschaftlichem Stellenwert, und einige politische Kräfte arbeiten aktiv daran, die Ressourcen für die Eingliederungshilfe abzubauen oder sogar einzustellen.

Genau das ist für mich aber auch ein Ansporn: In diesem Umfeld braucht es engagierte Führungskräfte, die sich klar für die Eingliederungshilfe einsetzen und mit Überzeugung dagegenhalten.

Denn oberstes Ziel bleibt für mich, unser Unternehmen wirtschaftlich stabil zu halten – nicht als Selbstzweck, sondern als Grundlage dafür, gute Arbeit für unsere Klient:innen und gute Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden dauerhaft zu ermöglichen.

Was ist für Sie das Besondere daran, eine gemeinnützige Organisation zu führen – statt ein gewinnorientiertes Unternehmen?

Mein Herz brennt für die soziale Arbeit.

Darin steckt echte Leidenschaft – für dieses Klientel und für den Bereich der Gemeinnützigkeit insgesamt. Die Arbeit in einem gewinnorientierten Unternehmen wäre sicherlich auch reizvoll, doch diese Frage habe ich mir bislang schlicht nicht gestellt – meine Überzeugung liegt eindeutig hier.

Welche Rolle spielt fachliche Weiterentwicklung dabei, Regenbogen Wohnen zukunftsfähig zu halten?

Eine sehr große. Die soziale Arbeit ist als vergleichsweise junge Profession noch stark in Bewegung – sie entwickelt sich stetig weiter. Regenbogen Wohnen möchte dazu aktiv seinen Teil beitragen:

Über unsere Fort- und Weiterbildungsangebote, gebündelt in unserer eigenen internen Akademie, halten wir unsere Mitarbeitenden auf dem aktuellen Stand der fachlichen Entwicklungen in der sozialen Arbeit. Es ist die Voraussetzung dafür, dass wir auch in Zukunft gute Arbeit leisten können.

Was würden Sie jemandem sagen, der selbst eine Führungskarriere in der Sozialwirtschaft anstrebt?

Trauen Sie sich, diese Verantwortung zu übernehmen. Es lohnt sich, für die Eingliederungshilfe zu kämpfen und sie aktiv mitzugestalten.

Zum Schluss noch etwas Persönliches: Wie sieht für Sie ein gelungener Ausgleich zum Job aus?

Unter der Woche genieße ich gemeinsam mit meiner Partnerin das Stadt- und Kulturleben in München oder verbringe den ein oder anderen Abend bei einem Gesellschaftsspiel oder am Computer. Am Wochenende zieht es mich, wenn die Zeit es zulässt, gerne in die Berge – zum Wandern, zum Gleitschirmfliegen und um die Natur zu entdecken.

Im Vergleich zu meinen vorherigen Tätigkeiten hat sich daran übrigens wenig verändert. Nur die Zeit muss inzwischen etwas bewusster geplant werden.

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Mehr zu Florian Dockhorns persönlichem Weg zur Geschäftsführung von Regenbogen Wohnen, seiner Motivation und seinem Blick auf Fachlichkeit, Inklusion und Vernetzung lesen Sie in seinem Antritts-Interview.

Sie tragen Verantwortung gerne – auch dann, wenn es fordert?

Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wiederfinden und Lust haben, in der Sozialwirtschaft etwas zu bewegen, freuen wir uns auf den Austausch mit Ihnen – gerne auch initiativ.

Stefan Jungheim

Abteilungsleitung Personal